ABO
Das Online-Magazin von JACOBIN Deutschland

29. Juni 2026

Seine Gegner haben ihn abgeschrieben – doch Jean-Luc Mélenchon gibt nicht auf

Kritiker haben Mélenchon für erledigt erklärt. Doch beim Start seines Präsidentschaftswahlkampfs zeigte sich: Unter Arbeiter- und Minderheitenwählern mobilisiert er wie kein anderer Kandidat der Linken.

Für viele führt kein Weg an Mélenchon vorbei.

Für viele führt kein Weg an Mélenchon vorbei.

IMAGO / MAXPPP

»Meine Damen und Herren, Genossinnen und Genossen – hier ist Ihr Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2027: Jean-Luc Mélenchon!,« schallte es über die Straßen von Saint-Denis. Anfang des Monats trafen Zehntausende in der Stadt nordöstlich von Paris zusammen. Trotz der brennenden Sonne waren sie gekommen, um den Linken Mélenchon beim Start seines Wahlkampfs für die Präsidentschaftswahl 2027 zu erleben.

Es war eine eindrucksvolle Demonstration der Wahlkampfmaschinerie, die Mélenchon seit seiner ersten Kandidatur 2012 aufgebaut hat. Damals hatte er die Parti Socialiste (PS) verlassen, um links von ihr seinen eigenen Weg zu gehen. Der PS-Kandidat François Hollande gewann in jenem Jahr zwar die Präsidentschaftswahl, aber sein früherer Parteigenosse Mélenchon holte elf Prozent der Stimmen. Heute hat sich das Kräfteverhältnis umgekehrt: 2022 schaffte die Parti Socialiste nicht einmal mehr zwei Prozent.

Der Grund: Hollands glanzlose Präsidentschaft dauerte nur eine Amtszeit, und 2016 verließ sein junger Wirtschaftsminister Emmanuel Macron die Parti Socialiste, um seinen eigenen (erfolgreichen) Aufstieg zur Macht zu starten. Macron und seine neue Partei fragmentierten damit die politische Landschaft Frankreichs. Im vergangenen Jahrzehnt hat er von einer Mitte-rechts-Position aus das Sozialsystem des Landes systematisch ausgehöhlt, während Mélenchons La France Insoumise langsam, aber sicher zur dominierenden Kraft der Linken geworden ist. Im ersten Wahlgang 2022 erhielt Mélenchon 22 Prozent – nur 400.000 Stimmen fehlten ihm am Ende für den Einzug in die Stichwahl. 2027 will er es endlich schaffen.

In den vergangenen Jahren gab es in der französischen Linken diverse Aufrufe zu mehr Einigkeit und Einheit. Sowohl 2022 als auch 2024 schnitten linke Wahlbündnisse bei Parlamentswahlen achtbar ab und sorgten dafür, dass weder Macron noch Marine Le Pens rechtsradikaler Rassemblement National (RN) eine Mehrheit der Stimmen bekam. Diese Einheit stand jedoch stets auf tönernen Füßen. Vor der Präsidentschaftswahl 2027 sieht es nun ganz danach aus, als würde Mélenchon im Alleingang antreten.

Euer Kandidat, nicht ihrer

In den letzten fünf Jahren haben Linke außerhalb des Mélenchon-Lagers zunehmend Abstand von seinen Präsidentschaftsambitionen und seiner Politik genommen. Die anfänglich wohlwollende Stimmung nach 2022 verflog rasch, als deutlich wurde, dass Mélenchon in Zukunft nicht als elder statesman im Hintergrund agieren, sondern weiter aktiv mitmischen wollte.

Die Gründe für den Bruch sind vielfältig, lassen sich aber auf grundlegende ideologische Meinungsverschiedenheiten und strategische Differenzen zurückführen. Mélenchons La France Insoumise versteht sich als Linke, die einen »Bruch« herbeiführen will – mit der bestehenden Ordnung, mit der Regierung, mit Kapitalismus und Imperialismus.

»Die Aussichten, Mélenchon durch einen anderen Linken zu ersetzen, sind nicht besonders überzeugend.«

Der Rest der breiteren Linken – darunter die Grünen, die Parti Communiste Français (PCF) und sozialliberale Gruppierungen wie Place Publique des möglichen Präsidentschaftskandidaten Raphaël Glucksmann – präsentiert sich als Kraft, die Regierungsverantwortung übernehmen kann: erfahren, verantwortungsbewusst und vertrauenswürdig gegenüber Frankreichs herrschender Klasse und den internationalen Märkten.

Dabei spielt auch die konsequente Haltung von La France Insoumise und Mélenchon zum Völkermord in Gaza eine zentrale Rolle. In Reaktion auf diese Haltung gab es diverse mediale Kontroversen sowie zahllose fadenscheinige Antisemitismusvorwürfe gegen Mélenchon.

»Ich widme diese Veranstaltung dem unbeugsamen palästinensischen Volk«, sagte Mélenchon entsprechend zu Beginn seiner Rede in Saint-Denis. Die Palästinenserinnen und Palästinenser seien »Märtyrer einer Invasion und eines Genozids«. Diese unmissverständliche Solidarität mit Palästina kommt in der gemäßigten Linken Frankreichs nicht gut an.

So gibt es mehrere potenzielle Kandidaten, die für eine salonfähigere Linke stehen wollen. Jeder Aspirant behauptet, genau die Eigenschaften mitzubringen, die nötig sind, um Mélenchon im ersten Wahlgang hinter sich zu lassen und anschließend den Rassemblement National im zweiten Wahlgang zu schlagen.

»Er kann einfach nicht gewinnen«

All diese Kandidaturen werden mit dem weit herrschenden Konsens begründet, Mélenchons vierte Präsidentschaftskandidatur werde auf eine Niederlage hinauslaufen. Dafür sprächen die niedrigen Beliebtheitswerte Mélenchons in der Bevölkerung und der gleichzeitig fortdauernde Aufstieg des rechtsradikalen RN.

Im Präsidentschaftsrennen 2017, als Mélenchon fast 20 Prozent holte, legten Umfragen häufig nahe, er würde Le Pen in in einer Stichwahl haushoch schlagen. Gegen Ende des damaligen Wahlkampfs erreichte Mélenchons Popularität ihren Höchststand: 68 Prozent der Französinnen und Franzosen hatten eine positive Meinung von ihm.

Heute zeichnen Umfragen ein gänzlich anderes Bild: Der Le-Pen-Vertraute und Parteivorsitzende des Rassemblement National, Jordan Bardella, würde Mélenchon in einer Stichwahl demnach mit 70 zu 30 Prozent – oder sogar noch deutlicher – förmlich überrollen. Solche Zahlen veranlassen Mélenchons Gegner aus allen Lagern dazu, ihn abzuschreiben.

»Es stimmt, dass Mélenchon am Ende der Liste der beliebtesten französischen Politiker rangiert – allerdings genießt praktisch gar kein Politiker breitere Anerkennung.«

Von Seiten der Nicht-Mélenchon-Linken klingen diese Warnungen noch dramatischer: Mélenchon in die Stichwahl 2027 zu bringen, würde sozusagen automatisch zu einer zukünftigen rechtsextremen Präsidentschaft führen. Mélenchons Ablehnungsquote ist mittlerweile auf vermeintlich katastrophale 72 Prozent gestiegen. Noch mehr dürfte die linke Mitte allerdings beunruhigen, dass in keinen der Umfragen einem linken Kandidaten außer Mélenchon überhaupt eine Chance ausgerechnet wird, die Stichwahl zu erreichen.

Entscheidend für die Wahldynamik ist, wen die Menschen nach eigener Aussage nicht wählen würden. Laut Umfragen geben viele Wählerinnen und Wähler aus dem macronistischen Zentrum an, sie würden Mélenchon in einer Stichwahl gegen den oder die rechtsradikale Kandidatin – ob Bardella oder Le Pen, die rechtlich von einer Kandidatur ausgeschlossen ist, dagegen aber Berufung eingelegt hat – nicht unterstützen zu wollen.

Linke Wähler sagen ihrerseits, sie würden in einer Stichwahl für keine Kandidaten aus der Mitte beziehungsweise von den Konservativen stimmen. Gabriel Attal und Édouard Philippe, beide Premierminister unter Macron, stehen bei direkten Kopf-an-Kopf-Vergleichen gegen die möglichen Kandidaten des RN ebenfalls sehr schlecht da. Attals Zustimmungswerte sind kaum besser als die Mélenchons.

Abgesehen von Mélenchon, Bardella und Le Pen waren alle denkbaren Stichwahl-Kandidaten frühere Premierminister unter Präsident Macron. Dem Vernehmen nach könnte auch Jean Castex, ein weiterer Ex-Premier der Macron-Ära, ins Rennen einsteigen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Castex ist einer der wenigen früheren Verbündeten Macrons, der nach wie vor ein gutes Verhältnis zum Präsidenten pflegt. Macron sieht in ihm einen idealen, weil gefügigen Nachfolger.

Auch die Aussichten, Mélenchon durch einen anderen Linken zu ersetzen, sind nicht besonders überzeugend.

»Waren früher stets 60 Prozent der Französinnen und Franzosen zuverlässig bereit, eine Machtübernahme des RN unter allen Umständen zu verhindern, scheint diese Zahl heute eher bei 40 Prozent zu liegen.«

»Schickt Jean-Luc Mélenchon in die Stichwahl, und ihr sichert Jordan Bardellas Sieg«, warnt der überzeugte Transatlantiker und EU-Fan Glucksmann. Er steht in Umfragen besser da als Mélenchons andere Konkurrenten, nicht zuletzt weil er Stimmen aus der macronistischen Mitte abziehen kann. Doch auch er würde in der Stichwahl unterliegen: Im direkten Duell mit Bardella kommt er auf lediglich 42 Prozent. Das liegt zum Teil daran, dass er sich für kein klares Profil entscheiden will – ist er ein Mitte-Links-Kandidat, der das Erbe übernimmt, mit dem Macron 2017 angetreten war, oder ist er ein für das Zentrum akzeptabler Linker? So oder so dürfte in einem zunehmend reaktionären Frankreich ein Großteil der Konservativen gegen ihn stimmen. Seine Beliebtheitswerte sind kaum besser als die Mélenchons.

Doch selbst Frankreichs bestbewerteter Politiker, Bardella, kratzt gerade einmal an der 35- Prozent-Zustimmungsmarke. Es stimmt also, dass Mélenchon am Ende der Liste der beliebtesten französischen Politiker rangiert – allerdings genießt praktisch gar kein Politiker breitere Anerkennung.

Glucksmann hat (wie Mélenchon) Forderungen nach einer linksinternen Vorwahl, um einen einzigen, gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten zu finden, abgelehnt, ohne bisher seine eigene Kandidatur offiziell anzukündigen. Glucksmann weiß, wie seine Zielgruppe aussieht – und dass diese sich mit Mélenchons nicht verträgt: Letzterer genießt breite Unterstützung bei jüngeren und einkommensschwachen Wählerschichten aus verarmten Städten und Vororten. In einem kürzlich geleakten internen Bericht aus Glucksmanns Lager werden Geringverdiener als »schwerer mobilisierbar« bezeichnet und daraus geschlossen, man solle sie »vorerst übergehen«.

Diejenigen, die sich weiter für eine Vorwahl aussprechen – darunter PS-Fraktionschef Boris Vallaud oder die Grünen-Vorsitzende Marine Tondelier – stoßen zunehmend auf taube Ohren.

»Die Vorwahl ist vom Tisch«, stellte Mélenchon vor der Menschenmenge in Saint-Denis klar. »Wir haben uns den Anspruch erarbeitet, an erster Stelle, an vorderster Front gegen den Rassemblement National zu stehen.«

»Otmane, der 2019 aus Marokko nach Frankreich gekommen ist, erklärte, in seinem Heimatland gelte Mélenchon als Symbol der globalen Linken.«

Bleibt die Frage, ob dieser Kampf gewonnen werden kann. In einem Jahrzehnt hat sich vieles verändert: Waren früher stets 60 Prozent der Französinnen und Franzosen zuverlässig bereit, eine Machtübernahme des RN unter allen Umständen zu verhindern, scheint diese Zahl heute eher bei 40 Prozent zu liegen. Dennoch spiegeln die aktuellen düsteren Umfragen wohl nicht das wider, was am Wahltag tatsächlich passieren wird.

In Szenarien, in denen Mélenchon in der Stichwahl gegen die Rechtsradikalen antritt, geben derzeit zwei Drittel der zentristischen Wählerschaft an, sie würden sich enthalten. Das gilt umgekehrt genauso, wenn Linke gefragt werden, ob sie einen Kandidaten der Mitte in einer Stichwahl unterstützen würden. Doch werden wirklich derart viele Menschen gar nicht wählen? Das ist zu bezweifeln und könnte eher darauf hinweisen, dass viele sich aktuell bedeckt halten, um zu beeinflussen, wer überhaupt in die Stichwahl kommt.

Gekommen, um zu gewinnen

Umfragen zu sezieren und Stimmungsbildern hinterherzulaufen ist allerdings nicht dasselbe wie Politik zu machen.

»Die Realität ist nicht das Einzige, woraus die Welt besteht«, sagte Mélenchon am Ende seiner Rede in Anlehnung an den kürzlich verstorbenen Philosophen Edgar Morin. »Es sind auch unsere Arbeit, unsere Wünsche, unser Wille.«

Wie in vielen anderen Reden zündete Mélenchon einige rhetorische Feuerwerke und beherrschte das Publikum souverän. Er brachte den Platz dazu, über seine Feinde zu lachen und sich von seiner Rhetorik mitreißen zu lassen. Schon die schiere Größe der Veranstaltung war beeindruckend.

Mélenchon hat selbst in einem kleinen Raum ohne Verstärkung eine kraftvolle Stimme. Die Tontechniker in Saint-Denis ließen ihn aber noch etwas lauter ertönen als die Rednerinnen und Redner vor ihm – darunter die Schriftstellerin Annie Ernaux, die dem begeisterten Publikum sagte, ihre Eltern wären genauso stolz darauf, sie hier zu sehen, wie auf ihren Literatur-Nobelpreis 2022. Mélenchons Stimme hallte von den Gebäuden des Platzes und der Basilika hinter ihm wider. Die im Umbau befindliche, von Gerüsten auf ihrer linken Seite gerahmte weißgraue Kirche verkörpert ein Jahrtausend französischer Geschichte und wirkte zugleich wie ein Symbol für den Aufbau eines neuen Landes: eine imposante Kulisse für den linken Kandidaten.

»Egal, wie sehr linksliberale und linke Kräfte außerhalb des Mélenchon-Lagers versuchen, eine tragfähige Alternative zu ihm aufzubauen – für einen harten Kern der Anhängerschaft ist er der politische Anführer der Stunde.«

»Wir glauben an die Intelligenz des französischen Volkes«, donnerte Mélenchon. »Wir glauben nicht, dass unser Land rassistisch ist. Wir glauben nicht, dass unser Land faschistisch ist.«

Der Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko von La France Insoumise, der bei den Kommunalwahlen im März ins Amt gewählt worden war, eröffnete die Kundgebung mit einem ähnlichen Aufruf. »Saint-Denis ist eine antifaschistische Stadt«, erklärte er und nannte sie nicht nur ein Symbol, sondern »der Beweis, dass unser Frankreich existiert«.

»Seit ich vom ›neuen Frankreich‹ spreche, echauffieren sich diejenigen, die vom Thema Rasse besessen sind«, so Mélenchon später zum selben Thema. Er kritisierte Bardellas Forderung, das Geburtsortprinzip in Frankreich abzuschaffen. »Werte Herren und Damen Faschisten, wir werden uns nicht von den Opfern unserer Großeltern, die hierher gekommen sind, abwenden [...] Das ist unsere Heimat!«

Bagayoko rief die Wählerschaft außerdem auf, »jenseits der üblichen Bündnisse zusammenzufinden« – eine Anspielung auf seinen eigenen Erfolg vor Ort, der auf einer seltenen Allianz zwischen Parti Communiste Français und La France Insoumise basiert hatte.

Mitte des Monats hielt die PCF ihrerseits ihren 40. Parteitag ab. Dort wurde trotz schwindender Unterstützung für den bisherigen Kurs eine Strategie des Weiter-so beschlossen. PCF-Generalsekretär Fabien Roussel soll Berichten zufolge eine erneute Präsidentschaftskandidatur anstreben – zum Verdruss jener auf der Linken, die seine Kandidatur 2022 (mit 2,5 Prozent) dafür verantwortlich machen, dass Mélenchon einige linke Stimmen einbüßte und ihm so der Einzug in die Stichwahl verwehrt wurde.

Stéphane Peu, PCF-Abgeordneter aus einem Wahlkreis in Saint-Denis, der häufig bei La-France-Insoumise-Veranstaltungen zugegen ist, traf sich vor der Kundgebung mit Mélenchon. Er postete Fotos und sendete »republikanische Grüße«. Am Dienstag sagte Peu gegenüber der Presse, er halte es »für keine gute Idee, wenn die PCF einen eigenen Kandidaten aufstellt«.

Der Kandidat der Linken

Wie lässt sich einschätzen, ob die behauptete »Dynamik« oder der »Aufbruch« einer Wahlkampagne wirklich trägt?

Mélenchons Rede war beeindruckend. Da waren seine Solidaritätserklärungen mit den iranischen sowie kubanischen Bevölkerungen, die jeweils einer Invasion widerstünden, seine Warnungen vor einer reinen Kriegswirtschaft und noch größeren Konflikten, seine kraftvollen Bekenntnisse, dass »das Leben stärker ist als die Angst vor dem Anderen«, und sein Beharren darauf, dass Haushaltskürzungen die Kriminalität erhöhen und »echte Sicherheit in Frankreich aus einem radikalen Wandel unserer Ansätze erwachsen muss«. Ist das ausreichend, dass letztendlich genug Menschen für ihn stimmen?

Wer weiß. Der 36-Jährige Maël, der mir erzählte, er wähle Mélenchon, seit er wahlberechtigt ist, sieht jedenfalls keine andere Option: »Ich stimme nicht immer in allem hundertprozentig mit ihm überein – aber er kommt meinen Werten am nächsten.«

Otmane, der 2019 aus Marokko nach Frankreich gekommen ist, erklärte, in seinem Heimatland gelte Mélenchon als Symbol der globalen Linken. Für ihn sei es daher logisch, ihn zu unterstützen. »Nie die Sozialisten oder die Kommunisten?«, hakte ich nach. »Nee… nicht wirklich.« Also sei er immer für La France Insoumise gewesen? »Es geht nicht einmal um La France Insoumise«, erwiderte er aufgekratzt. »Es geht um Mélenchon.«

Damit fasst Otmane zusammen, was zahlreiche Linke in Frankreich empfinden. Egal, wie sehr linksliberale und linke Kräfte außerhalb des Mélenchon-Lagers versuchen, eine tragfähige Alternative zu ihm aufzubauen – für einen harten Kern der Anhängerschaft ist er der politische Anführer der Stunde.

In einem kritischen Kommentar fasste der sozialdemokratische Journalist Laurent Joffrin sehr passend den vermutlichen Grund für seine Popularität zusammen: »Mélenchons Programm ist kohärent, unterscheidet sich aber radikal vom Rest des linken Lagers.«

Marlon Ettinger ist der Autor des Buches »Zemmour & Gaullism«.