19. Juni 2026
Das Gesundheitswesen wird zunehmend zu einem Schauplatz von Arbeitskämpfen. Die Krankenpflegerin Shella Dominguez aus New York berichtet, wie sie und ihre Kolleginnen den größten Pflegestreik in der Geschichte der Stadt für sich entschieden.

Rund 15.000 Pflegekräfte streikten im Februar in New York.
Ich gehöre zu den beinahe 15.000 New Yorker Pflegekräften, die am größten und längsten Pflegestreik in der Geschichte New Yorks teilnahmen. Ich arbeite im Mount Sinai Morningside Hospital auf einer chirurgischen Überwachungsstation und einer internistisch-chirurgischen Station, auf denen Patienten mit unterschiedlichen Bedürfnissen behandelt werden. Aufgrund des unterschiedlichen Pflegebedarfs kann es eine Herausforderung sein, eine solche gemischte Station sicher zu besetzen. Als ich vor einigen Jahren begann, mich bei meiner Gewerkschaft, der New York State Nurses Association (NYSNA), zu engagieren, war für mich der Hauptgrund der Personalmangel im Krankenhaus.
Ich arbeite seit 2018 im Mount Sinai Morningside, bin aber schon sehr viel länger als Krankenpflegerin tätig; zunächst auf den Philippinen und später dann in Florida, wo man das Wort »Gewerkschaft« nicht einmal aussprechen oder mit Kollegen über die Gründung einer Berufsvertretung reden kann, ohne gerügt zu werden. Als Morningside-Pflegekräfte 2022 ihren Vertrag verhandelten, unterstützte ich meine Kollegen durch die Teilnahme an öffentlichen Verhandlungssitzungen per Zoom.
Mit dem letzten Tarifvertrag konnten wir verbesserte und durchsetzbare Standards in Hinblick auf die Personalbemessung erreichen. Pflegekräfte hatten nun endlich die entsprechenden Mittel, unser Krankenhaus zur Rechenschaft zu ziehen, wenn es sie mit zu vielen Patienten gleichzeitig überlastete und somit die Patientensicherheit gefährdete.
Letztes Jahr erstritten Morningside-Pflegekräfte über eine Million Dollar an Entschädigungen für Pflegepersonal, das unter chronischem Personalmangel auf zwei verschiedenen Stationen arbeitete. In zwei verschiedenen Schiedssprüchen, darunter einem am Vorabend des Vertragsablaufs, nutzten wir unseren Vertrag, um die Patientenversorgung zu sichern und die überlasteten Pflegekräfte zu entschädigen. Die neutralen Vermittler prüften die Beweislage und wiesen das Krankenhaus an, mehr Pflegekräfte einzustellen, um die Patientensicherheit zu gewährleisten. Genau diese Art von Verantwortung versuchte uns die Krankenhausleitung im Laufe der aktuellen Verhandlungsrunde zu entziehen.
»Während der Verhandlungen war es schockierend zu erleben, wie feindselig die Führungsebene den Pflegekräften und unseren Forderungen gegenüber auftrat.«
Während der aktuellen Tarifverhandlungen und des Streiks war ich Mitglied des gewerkschaftlichen Führungsgremiums und des Verhandlungsausschusses meines Krankenhauses. Obwohl ich während der letzten Verhandlungsrunde einen guten Einblick hatte, war ich auf den veränderten Kurs der Führungsebene dieses Mal nicht vorbereitet. Ab September verhandelten wir, um Verbesserungen bei der sicheren Personalbemessung zu erreichen, unsere Gesundheitsleistungen zu sichern, Pflegekräfte und Patienten vor Gewalt am Arbeitsplatz und künstlicher Intelligenz zu schützen, unsere besonders schutzbedürftigen Patienten und Mitarbeiter abzusichern und Gehaltserhöhungen zu erzielen, damit wir uns das Leben in New York leisten und mehr Pflegekräfte für die Versorgung am Bett gewinnen und halten können.
Normalerweise arbeiten Pflegekräfte eng mit der Krankenhausleitung zusammen, um die Versorgung zu verbessern und auftretende Probleme zu lösen. Doch während der Verhandlungen war es schockierend zu erleben, wie feindselig die Führungsebene den Pflegekräften und unseren Forderungen gegenüber auftrat. Sie behandelten uns, als würden wir nichts für das Krankenhaus leisten – als würden wir nur zusätzliche Kosten verursachen. Anstatt mit uns über Personalbesetzung, Sicherheit, Bezahlung und Sozialleistungen zu verhandeln, schien man mehr als bereit zu sein, uns mit teuren Leihpflegekräften zu ersetzen, und prahlte sogar damit.
Als deutlich wurde, dass unsere Krankenhäuser sich weigerten, unsere Gesundheitsleistungen weiterzuführen und in gutem Glauben über unsere Prioritäten zu verhandeln, sahen sich die Pflegekräfte von Mount Sinai Morningside und West gezwungen, zusammen mit den Pflegekräften des Mount Sinai Hospital, Montefiore und New York-Presbyterian in den Streik zu gehen. Einige der reichsten Krankenhäuser der Stadt arbeiteten zusammen, um uns hinzuhalten, zu verzögern und in den Streik zu zwingen.
Ich erinnere mich an die ersten Streiktage – ich war total motiviert und bereit, für unsere Rechte zu kämpfen. Es war eiskalt; aber zu sehen, wie meine Kollegen aus allen Abteilungen des Krankenhauses zusammenhielten, war so herzerwärmend. Wir waren schon vorher wie eine Familie, aber der Streik hat uns noch enger zusammengeschweißt. Wir haben jeden Tag miteinander gesprochen und sowohl uns gegenseitig, als auch die unterschiedlichen Herausforderungen, denen sich die Pflegekräfte in den verschiedenen Bereichen des Krankenhauses stellen müssen, besser verstanden. Wir sind gemeinsam marschiert und haben uns an der Streiklinie umarmt, und diese Kommunikation und die Solidarität bestehen auch nach dem Streik fort.
»Wir sind gemeinsam marschiert und haben uns an der Streiklinie umarmt, und diese Kommunikation und die Solidarität bestehen auch nach dem Streik fort.«
Der Streik hat uns verändert. Wir waren in der Kampfzone und bereit, gemeinsam durchzuhalten, weil wir wussten, dass es sich lohnt, für unsere Sache zu kämpfen.
Was uns nach wochenlangem Ausharren in der Kälte zusätzlich half durchzuhalten, war die Unterstützung unserer Gemeinde. Selbst als die Verhandlungen nur schleppend vorangingen und wir entmutigt waren, gab uns die Unterstützung und das Vertrauen unserer Patienten und der Gemeinde Hoffnung und Mut. Die Patienten und ihre Angehörigen, die während des Streiks vorbeikamen, jubelten uns immer zu und hatten freundliche Worte für uns.
Ich erinnere mich noch an das viele Hupen, besonders von den Busfahrern. Ich wohne in der Nähe des Krankenhauses und gehe oft zu Fuß zur Arbeit. Doch eines Tages stieg ich mit meiner roten NYSNA-Mütze und meinem Schal in den Bus. Ich drückte auf Stop, um an der nächstgelegenen Haltestelle auszusteigen, aber der Fahrer sagte, er würde mich genau dort absetzen, wo ich für einen großen Auftritt hinmusste. Er ließ mich direkt vor dem Krankenhaus raus und hupte so laut, dass alle jubelten, als ich ausstieg und mich dem Streikposten anschloss. Es war so bestärkend zu sehen, dass die Menschen verstanden, dass die Pflegekräfte nicht nur für eine bessere Bezahlung streikten, sondern auch für die Sicherheit unserer Patienten und die Gesundheit der Stadt.
Seit unserem ersten Arbeitstag am Valentinstag wurden wir Pflegekräfte herzlich empfangen. Alle unsere Kollegen – darunter Physiotherapeuten, Transportmitarbeiter, Sekretäre und Ärzte – sagten, sie hätten uns sehr vermisst und würden sich über unsere Rückkehr freuen. Wir wissen, dass uns Herausforderungen bevorstehen – von der Bewältigung der Probleme bei der Wiedereingliederung bis hin zur Durchsetzung unseres neuen Tarifvertrags. Wir sind auch bereit, unsere Gewerkschaftskollegen in ihren Kämpfen zu unterstützen. Doch im Moment ist es einfach ein gutes Gefühl, durchgehalten zu haben und gestärkt zurückzukehren.
Dieser Kampf war notwendig und hat sich gelohnt. Ohne den Streik hätten wir unsere guten Gesundheitsleistungen nicht behalten können. Wir hätten die Regelungen zur sicheren Personalbemessung nicht durchsetzen und unsere Krankenhäuser nicht dazu bringen können, fast fünfzig zusätzliche Pflegekräfte einzustellen, um die Sicherheit unserer Patienten zu gewährleisten. Wir hätten keine neuen Schutzmaßnahmen gegen Gewalt am Arbeitsplatz und künstliche Intelligenz – zwei große Bedrohungen für Beschäftigte im Gesundheitswesen weltweit – erkämpft. Und wir hätten weder den Diskriminierungsschutz für Transgender-Mitarbeiter noch die Lohnerhöhungen erreicht, die wir trotz der gut finanzierten gewerkschaftsfeindlichen Kampagne gegen uns durchgesetzt haben.
»Wir haben gezeigt, wie mächtig Pflegekräfte sein können, wenn sie streiken, und wir haben Pflegekräften überall Hoffnung gegeben.«
Unser Streik war wichtig für die Pflegekräfte in New York und die Gemeinden, die wir betreuen, aber ich glaube, dass wir auch viele Pflegekräfte in anderen Städten und Bundesstaaten bestärkt haben. Wir haben der Welt gezeigt, wie zäh und stark die New Yorker Pflegekräfte sind – bereit, so viel zu opfern und sich mitten in einem der kältesten Winter in der Geschichte New Yorks an die Streikposten zu stellen. Wir haben gezeigt, dass New York eine Gewerkschaftshochburg ist. Wir haben gezeigt, wie mächtig Pflegekräfte sein können, wenn sie streiken, und wir haben Pflegekräften überall Hoffnung gegeben. Wenn wir für unsere Rechte kämpfen, erreichen wir vielleicht nicht alles, was wir wollen, aber wir können das erreichen, was Pflegekräfte und Patienten brauchen.
Shella Dominguez ist Krankenschwester am Mount Sinai Morningside Hospital und Gewerkschafterin.